Der Tag, an dem wir abstillten…

wann Abstillen

Abstillen.

Schon oder endlich sind meist die Reaktionen, die das Umfeld darauf bringt, immer abhängig vom Alter des Kindes. Abstillen bedeutet ein Stück weit die Trennung weiter bringen, die mit der Geburt begonnen hat. Abstillen ist manchmal nötig, manchmal überraschend schnell und eigentlich doch ganz privat. Ich kenne Mütter, die über das erste Jahr hinaus gestillt haben, die sechs Wochen stillten und auch die, die gar nicht stillen (wollten). Unsere Gesellschaft erlaubt sich schnell Urteile darüber, was das Richtig und das Falsch ist. Ich nehme mich da nicht heraus, auch wenn ich eigentlich nicht urteilen möchte.

Wir haben abgestillt, drei Monate ist dies nun her. Drei Monate, die die Zeit des Stillens schon weit in die Vergangenheit gerückt haben. Ich habe vergessen und auch der kleine Mann hat vergessen. Unseren Abstillweg kann ich im Nachhinein als den Bestmöglichen für uns bezeichnen und dieser begann bereits vor elf Monaten.

Als Erstmama war ich anfangs schnell verunsichert beim Thema Stillen und in diesen unsicheren Momenten orientierte ich mich oft am allgemeinen Konsens und meinem Umfeld. Und so geriet ich vor elf Monaten etwas unter Druck. Bis dahin stillten der kleine Mann und ich fast genau so lange, kein Ende in Sicht. Mein verunsicherter Kopf sagte mir, dass es richtig ist ein Baby im ersten Lebensjahr zu stillen, aber darüber hinaus schien es irgendwie falsch. Und dieses erste Jahr neigte sich langsam dem Ende zu. Mein Bauch stimmte dem Kopf aber nicht zu. Es fühlte sich keinesfalls falsch an, ein zehn Monate altes Kind weiter zu stillen.

Auch wollte ich nicht diejenige sein, die bestimmte, wann wir abstillen. Also ging ich mit mir einen Kompromiss ein, ich stillte den kleinen Mann erst einmal nur tagsüber ab. Da wir einen sehr guten Esser hatten, war dies nicht weiter schlimm (Für mich war es wichtig nicht auf Flaschennahrung umsteigen zu müssen.). Schnell merkte ich aber, dass wir die Stillzeit nur in den Abend und die Nacht verschoben. Doch ich beließ es dabei, nahm dem Stillen somit jede Öffentlichkeit und beschränkte es auf die intime Zweisamkeit beim Schlafen. Solange mein Umfeld nicht fragte, ob ich noch stillte, nahmen die meisten wohl an, dass wir bereits abgestillt hatten.

Aber wir stillten weiter, 12 Monate, 15 Monate. Dann wurde ich wieder schwanger und bekam leider eine Eileiterschwangerschaft diagnostiziert. Wegen der OP war ich das erste Mal zwei Nächte getrennt von meinem Sohn und wir stillten nicht. Er brauchte auch keine Brust als der Papa mit ihm ins Bett ging, aber als ich wieder zu Hause war, stillten wir weiter. Vom Gefühl her wollte ich ihn zu diesem Zeitpunkt noch nicht abstillen. Eines hatte sich durch meine Abwesenheit aber verändert, der kleine Mann wachte nachts nicht mehr stündlich zum Stillen auf, sondern nur noch bis zu sechs Mal.

So gingen weitere zwei Monate ins Land, bis mein Sohn plötzlich keine Brust mehr zum Einschlafen brauchte. Er gewöhnte sich selbst das Einschlafstillen ab und auch nachts schlief er immer besser. Bis er mit gut 18 Monaten das erste Mal durchschlief. Somit war unser Abstillen an das Durchschlafen gekoppelt. Zeitgleich wurde ich wieder schwanger (wieder ein Frühabort) und unser weniges Stillen, was noch geblieben war, musste ich durch meine schmerzenden Brustwarzen verkürzen und schließlich weglassen. So setzte ich den letzten Stein, indem ich dem kleinen Mann statt der Brust alternativ ein Wasserglas anbot. Dagegen protestiert hat er nie. Mir fiel es die ersten Tage unheimlich schwer, ihm zum Einschlafen oder Aufwachen nicht doch die Brust anzubieten. Aber er verlangte auch nicht danach und gab so sein Einverständnis.

Irgendwie war das doch ein schönes Ende…

Liebste Grüße,

eure Friederike

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