Warum jede Frau ihre eigene Hebamme für die Geburt haben sollte…

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Die Hebammensituation in Deutschland ist schlecht, machen wir uns nichts vor. Die wenigen freiberuflichen Hebammen, die es noch gibt, sind mit immer teurer werdenden Versicherungen konfrontiert. Und in den Krankenhäusern rennen die Hebammen nur noch von einer Frau zur anderen, weil sie im schlimmsten Fall fünf Geburten gleichzeitig betreuen müssen. Dabei wünsche ich jeder Frau eine Hebamme, ob freiberuflich oder nicht, die ihr zur Seite steht und sie vor allem mental durch die Geburt begleitet. Denn eine Geburt findet immer im Kopf statt, unser Körper kann gebären, wir müssen es ihm nur zutrauen. Eine Hebamme weiß das.

Nicht umsonst werden Rufe laut, wie „Hebamme statt PDA“ oder „Hebamme statt Kaiserschnitt“. Denn die Daten zeigen, dass bei Geburten, die von einer Hebamme durchweg betreut wurden, diese Maßnahmen viel seltener stattfinden. Die WHO spricht von einer Kaiserschnittrate von 5% bis 10%, die aus medizinischen Gründen notwendig ist, keine 30%, wie hier in Deutschland. Zudem verlaufen 95% aller Geburten hierzulande mit Interventionen, das sollte uns zu denken geben.

Nicht zuletzt ist es oft die Einstellung der Frauen zur Geburt und Schwangerschaft, bei der sie unbewusst die Verantwortung an Medizin und Technik weiter geben. Viele fragen sich nicht mehr nach dem Sinn eines CTGs ab der 34. Woche, das eigentlich nur für Risikoschwangerschaften in den Richtlinien vorgesehen ist Denn es machen alle so, der Arzt weiß schon, was er macht. Aber ich schweife ab.

Meine Hebamme

Ich selbst hatte das Glück einer Eins-zu-Eins-Betreuung unter der Geburt durch meine Hebamme. Zwar wurde aus der gewünschten Hausgeburt eine ambulante Beleggeburt im Krankenhaus, aber sie war dabei und begleitete mich bzw. uns. Leider blieb meine Geburt nicht interventionsfrei und es gab einige Kritikpunkte, wegen denen ich nicht noch einmal im Krankenhaus entbinden werden, aber diese lagen an dem Ort Krankenhaus und nicht an meiner Hebamme. Diese begleitete mich mit ihrer ruhigen Art. Sie wusste, welche Wünsche ich hatte, in welchen Punkten ich nicht den „Standardweg“ gehen wollte. So gab es keine unnötigen Klärungsgespräche unter der Geburt und ich konnte einfach nur gebären.

Dies war vor allem auch möglich, weil ich meine Hebamme kannte. Ich bin etwas spät! in der 10. Schwangerschaftswoche bei ihr gelandet und habe quasi das Komplettpaket mit gemacht, von der Schwangerschaft bis zum Ende der Wochenbettzeit. Und ja, zum Schluss fühlte es sich fast an, als würde ich eine Freundin verabschieden. Meine Glückssituation in der Schwangerschaft und bei der Geburt meines Sohnes ist mir bewusst und doch wünsche ich sie mir für jede Frau dort draußen.

Leider wird die Situation der Hebammen in Deutschland nicht besser, auf 10000 Euro im Jahr soll die Haftpflichtprämie für freiberufliche Geburtshebammen bis zum Jahr 2020 steigen. Ob ich für das nächste Kind überhaupt noch eine Hebamme für außerklinische Geburten finde, ist daher fraglich. So lese ich mittlerweile von vielen Frauen, die sich aus dieser Not heraus für Alleingeburten entscheiden, eine traurige Konsequenz.

In einer Gesellschaft, wo lediglich das Ergebnis eines gesunden Kindes zählt und nicht der Weg dorthin. Wo Geburtserlebnisse verdrängt werden und der Notkaiserschnitt, das dramatische Ende bei viel zu vielen Geburten ist. Wo der Lebensanfang und das Lebensende nicht gewürdigt wird und letztendlich Wirtschaftlichkeit über Menschlichkeit steht. Ist dies, so finde ich, kein überraschender Verlauf.

Liebste Grüße,

eure Friederike

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