Für mehr Eigenverantwortung in der Schwangerschaft

Schwangerschaftsvorsorge

Wir leben in einer Zeit, in der wir gerne die Verantwortung für unseren Körper an „Fachkräfte“ abgeben. Die Ärzte haben ja schließlich studiert, die werden es schon wissen. Mit dem Abgeben der Kontrolle verlieren wir aber oft unser so wichtiges Körpergefühl, das uns sagt, wenn etwas nicht in Ordnung ist. So gibt es in der Schwangerschaft eine ganze Maschinerie von Untersuchungen, die eine Schwangere zu durchlaufen hat, denn nur dann kommt ein gesundes Baby raus, oder?

Das war jetzt überspitzt formuliert, aber im Grunde hat eine Schwangerschaft heute oft wenig mit „gute Hoffnung haben“ zu tun. Und das ist schade, denn der Frau wird nicht nur die Verantwortung, sondern auch ein Stück weit Kompetenz abgesprochen. Dabei will ich nicht sagen, dass Schwangerschaftsvorsorge (mit verschiedenen Untersuchungen) verwerflich ist, es kommt aber immer auf das Wie und die Umsetzung an. Dabei hilft immer ein Blick auf unsere europäischen Nachbarn. Wie handhaben diese die Begleitung der Schwangeren und gibt es dort mit weniger Maßnahmen/ Untersuchungen vielleicht sogar ähnliche Prozentsätze an Frauen, die überhaupt Komplikationen in der Schwangerschaft ausweisen?

In Deutschland gibt es die Mutterschaftsrichtlinien, anhand derer frau sehen kann, welche Untersuchungen empfohlen werden und welche Indikationen für zusätzliche sprechen. Im Grunde läuft dieses System an, sobald man sich zum ersten Frauenarzttermin begibt. Meist bleibt es aber nicht bei den regulär empfohlenen Untersuchungen, sondern es wird darüber hinaus untersucht. So wird man dort leicht stutzig, wenn man ließt, dass CTGs vor der 28. Woche im normalen Schwangerschaftsverlauf nicht vorgesehen und bis zum Entbindungstermin (ohne Indikation) nicht zwingend notwendig wären. Auch haben die meisten Frauen mehr als die drei Basisultraschalle.

Aber…

Vielen Frauen gibt es Sicherheit Ultraschalluntersuchungen zu machen, oder zur Feinsono zu gehen. Natürlich könnte man sagen, dass es doch schön ist, heute solche Methoden zu haben, warum sollte man sie nicht nutzen? Und das darf und sollte man auch, aber nur, wenn man es selbst möchte, die Verantwortung über seine Schwangerschaft nicht abgibt und sein eigenes Vertrauen in die Schwangerschaft nicht davon abhängig macht.  Wenn ich Vor- und Nachteile abwäge und mich frage, warum mache ich diese Untersuchung? Welches Ergebnis oder welche Gewissheit erhoffe ich mir? Wie gehe ich mit Diagnosen und möglichen „negativen“ Antworten um? Manchmal leichter gesagt als getan. Ich weiß, wie emotional anfällig die Hormone einen machen, sodass man schnell unsicher wird, sobald der Arzt über Risikofaktoren spricht, wenn dieses oder jenes nicht getan wird. Aber Du selbst bist die Verantwortliche, in Deinem Bauch wächst Leben heran, nur Du kannst die richtigen Entscheidungen treffen.

Also frag nach den Risiken von Untersuchungen, lasse Dich aufklären oder informiere Dich selbst. Verantwortung übernehmen heißt für mich in erster Linie auf den Bauch zu hören und selbst nachzudenken und zu hinterfragen. Welche Untersuchungen will ich machen? Möchte ich eine Hebamme für die Vorsorge hinzuziehen oder sie komplett dort machen? Wie stehe ich zu den IGLE- Leistungen?

Eine Schwangerschaft soll selbstbestimmt verlaufen, in welcher frau, falls sie es möchte, auf bestimmte Angebote zurück greifen kann. Natürlich eröffnet sich so schnell ein unüberblickbares Feld an Fragen und neuen Infos zeitgleich mit dem positiven Schwangerschaftstest. Aber es lohnt sich genauer hinzusehen und nicht alles abzunicken. Im Hinblick auf die Schwangerschaftsvorsorge bei meinem zweiten Kind, bekam ich nicht nur einmal eine verwunderte Nachfrage, ob es nicht Pflicht wäre den Frauenarzt aufzusuchen, sobald man schwanger sei. An diesem Punkt ist mir bewusst geworden, wie wenig Wissen und oft auch Interesse zu diesem Thema herrscht. Und das ist sehr schade.

Deswegen möchte ich Euch ermutigen, hinterfragt und hört in Euch hinein. Was möchtet Ihr für Euch und Euer Kind, was tut Euch gut. Auch im Hinblick auf die spätere Geburt und die Wochenbettzeit. Seid selbstbewusst, seid die Verantwortlichen und seid guter Hoffnung.

Liebste Grüße,

Eure Friederike

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