Hormonfreie Verhütung

hormonfreie Verhütung

Warum nehme ich eigentlich die Pille? Diese Frage stellte ich mir vor mehr als drei Jahren. Eine wirkliche Antwort wusste ich nicht, denn machen das nicht alle so? Zu meinem Selbstverständnis gehörte zum ersten „richtigen“ Freund der Gang zum Frauenarzt und damit ein Pillenrezept. Über Nebenwirkungen wurde ich damals nie aufgeklärt, bekam das gängigste Präparat der Praxis. Dass dieses bei einer Venenklappenschwäche und somit bei einer familiären Vererbung von Krampfadern, nicht empfohlen wird, wurde mir nie gesagt. Stattdessen nahm ich brav vier einhalb Jahre meine Pille ohne Probleme, bis ich mir die Frage nach dem Wieso stellte.

Zu diesem Zeitpunkt fing ich an mein Leben, nachhaltiger, gesünder und vor allem freier von künstlichen Stoffen, zu gestalten. Die Pille war damit ein Punkt von vielen. Doch was sollte ich statt der Pille nehmen? Nach langem Grübeln kam ich zu dem Entschluss: Gar nichts. Gleichzeitig bedeutete dieses „Gar nichts“ eine ganze Menge.

Angefangen bei einem guten Basiswissen über den weiblichen Zyklus bis hin zu einer genauen Beobachtung des eigenen Körpers. Genau im letzten Punkt lag ein großes Problem, denn mein Körper brauchte eine gewisse Zeit, bis er sich von der Pilleneinnahme erholte. Somit dauerte es über ein halbes Jahr bevor ich meinen Zyklus und die Geschehnisse im Körper einschätzen konnte. Mein Körpergefühl entwickelte sich durch meine Beobachtungen sehr gut, wodurch ich heute sogar merke, wann ich meinen Eisprung habe.

Wie funktioniert Die natürliche Verhütung/  Familienplanung?

Wie verhüten wir? Ich schreibe bewusst „Wir“, denn mein Freund weiß ebenso wie ich über meinen Zyklus Bescheid und kann zumindest anhand des Kalenders abschätzen, wo ich mich befinde. Das ist auch meine erste Methode, der Kalender.

Ich habe das Glück eines einigermaßen regelmäßigen Zyklus, der vor der Geburt 29-31 Tage und seit der Geburt 25-29 Tage beträgt. (Nach der letzten Fehlgeburt ist es leider etwas unregelmäßiger.) Dies ist eine gute Grundlage, sodass ich meine jeweiligen Daten immer in meine App „Mein Kalender“ eintrage und diese anhand des Durchschnitts der letzten Monate meinen Eisprung sowie meine Periode voraussagt. Aber: Der Körper ist kein Lehrbuch und so gibt es Schwankungen im Zyklus, durch die diese Methode zum Verhüten alleine unwirksam ist, zumindest aber einen Überblick bietet.

Anmerkung: Im Durchschnitt schwankt der Zyklus einer Frau um bis zu sieben Tagen, dies wird nicht als unregelmäßig bezeichnet, auch wenn es so scheint. Ein normaler Zyklus liegt zwischen 21 und 40 Tagen und beginnt rechnerisch immer mit dem ersten Tag der Periode. Jede Frau ist etwa fünf bis sieben Tage pro Zyklus fruchtbar und kann in dieser Zeit um den Eisprung schwanger werden.

Der Grundpfeiler der natürlichen Verhütung/ Familienplaung ist die Beobachtung des eigenen Körpers. Ich denke, es ist wichtig, überhaupt ein Gefühl für den eigenen Körper und dessen Geschehnisse zu bekommen und das braucht Zeit. Wie ich anfangs schrieb, brauchte mein Körper und mein Körpergefühl etwa ein halbes Jahr, bevor ich einschätzen konnte, was sich in meinem Zyklus gerade verändert.

Um diese Veränderungen festzustellen gibt es drei Methoden, die in ihrem Zusammenspiel wohl die sicherste Verhütungsmethode darstellen.

Messung der Aufwachtemperatur

Jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen wird die Körpertemperatur gemessen. Diese Basalttemperatur ist vor der Periode bis zum Eisprung (erste Zyklushälfte) etwas niedriger als danach. Nach dem Eisprung steigt sie etwas zwei Zehntel Grad Celsius an und bleibt bis zur nächsten Periode auf diesem Niveau.

Der Eisprung lässt sich hier rückblickend bestimmen und auch ob eine Gelbkörperschwäche bei der Frau vorliegt, kann so diagnostiziert werden. Ein sicheres Zeichen wäre ein Temperaturhoch von weniger als zehn Tagen. Eine Gelbkörperschwäche verhindert die Einnistung und kann bei Kinderwunsch mit täglich einer Tasse Frauenmanteltee in der zweiten Zyklushälfte behandelt werden.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich diese Methode bisher nicht nutze. Denn ich vergesse das Messen schlichtweg. Bei Frauen, die am Wochenende gerne feiern gehen oder die im Schichtdienst arbeiten, sehe ich zudem das Risiko von falschen Messungen, da der Biorhythmus gestört wird.

Beobachtung des Zervixschleims

Das mag jetzt erst einmal befremdlich klingen und darüber geredet wird meist ja auch nicht. Dabei ist der Zervixschleim, der im Gebärmutterhals gebildet wird und der am Scheideneingang zu sehen ist, etwas natürliches. Dieser verändert sich im Laufe des Zyklus. Bei jeder Frau kann das etwas variieren, auch von Zyklus zu Zyklus, prinzipiell ist jedoch eine Veränderung feststellbar.

„Zu Beginn des Zyklus fühlt sich der Scheideneingang meist trocken an. Einige Tage vor dem Eisprung kann der Zervixschleim dann gefühlt und gesehen werden. Er ist zunächst milchig trübe und wird in den nächsten Tagen immer klarer. Außerdem wechselt die Beschaffenheit von klebrig-zäh zu flüssig und fadenziehend (spinnbar wie Eiweiß). Beim Vorhandensein von flüssigem und spinnbarem Zervixschleim fühlt sich der Scheideneingang feucht an. Zum Zeitpunkt des Eisprungs wird der Schleim dann innerhalb kurzer Zeit wieder zäh und trüb.“ (Quelle)

Ich kann anhand dieser Methode in Verbindung mit dem Kalender sehr sicher bestimmen, wann meine fruchtbaren Tage und mein Eisprung sind. Das bedarf jedoch einiger Erfahrung und längerer Beobachtung.

Beobachtung des Muttermundes oder des Gebärmutterhalses

Dies ist eine ergänzende Methode und sollte nie als einziger Indikator dienen. Ich selbst habe mich daran nicht versucht, möchte es aber mit anführen.

Auch der Muttermund verändert sich innerhalb des Zyklus. Nach der Periode fühlt er sich an wie die Nasenspitze und ist fest. In der fruchtbaren Zeit wird er dann weich, ähnlich der Lippen und ist leicht geöffnet.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Überblick über die Methoden der natürlichen Verhütung/ Familienplanung geben. Es ist sicherlich nicht der bequemste Weg, um zu verhüten, aber der natürlichste.

Liebste Grüße,

eure Friederike

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