Tagebuch meiner Eileiterschwangerschaft

FehlgeburtFrühabort 7. Woche Eileiterschwangerschaft

1-2% aller Schwangerschaften befinden sich außerhalb der Gebärmutter, von diesen werden 95% als Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität) diagnostiziert. Das Risiko dieser Fehleinnistung ist z. B. durch eine Chlamydieninfektion, Endometriose oder Polypen im Eileiter erhöht. Eine Eileiterschwangerschaft festzustellen kann mitunter schwierig sein, typische Symptome wie (Schmier-)Blutungen und (einseitige) Schmerzen im Unterbauch treten im ersten Schwangerschaftsdrittel häufig auf. Eine solche Schwangerschaft kann nie ausgetragen werden. Sie geht verfrüht ab oder es kommt zum operativen Eingriff, da es für betroffene Frauen lebensgefährlich werden kann.


Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. In den letzten Wochen ist viel passiert. Ich war glücklich, verwirrt, überrascht, ängstlich, traurig, resigniert und so vieles mehr, mal mischten sich meine Gefühle und mal fühlte ich mich wie taub, wie eine außenstehende Person, die die vielen Geschehnisse nur mit ansah. Auch jetzt scheint mir alles noch sehr unwirklich. Dabei fing es doch toll an.

Vier Wochen zuvor

Ich bin überfällig, nicht nur ein bisschen, sondern gleich 9 Tage. Natürlich weiß ich, was das bedeuten kann, jedoch habe ich mich bisher nicht getraut einen Test zu machen. Und so richtig glaube ich nicht daran schwanger zu sein, dieses Schwangerschaftsgefühl ist einfach nicht da.

Der Test ist…. POSITIV! Meine Gedanken überschlagen sich: Ich brauche eine Hebamme und zwar sofort. Ich brauche einen Frauenarzttermin, aber vielleicht nicht gleich. Wie weit bin ich überhaupt? 6. Woche? Müsste ich mich dann nicht schwanger fühlen? Stimmt vielleicht irgendwas nicht? Bei meinem ersten Frühabort hatte ich auch kaum Symptome. Erst einmal abwarten.

Drei Wochen zuvor: 6+0 Ich habe es schon geahnt…

Gestern Abend fing es an, es ziepte rechts im Unterbauch. Ich habe es bereits geahnt, dass es etwas nicht stimmt. Mir ist bewusst, unser Würmchen wird sich von uns verabschieden. Doch sitzt in meinem Kopf noch eine Stimme, die sagt, vielleicht sind es nur die Mutterbänder, warte ab – alles wird gut. Das Ziehen im Unterleib ist teilweise schmerzhaft, ich denke das erste Mal an eine mögliche Eileiterschwangerschaft, da die Schmerzen nur rechts auftreten. Erzähle meinem Freund davon, beruhige ihn aber und sage, dass sie dafür viel zu schwach sind.

6+0: Ich habe Blutungen, mit allem drum und dran, stärker als die Periode. Mir ist klar, was das zu bedeuten hat. Ich weine nicht, bin aber traurig und in mich gekehrt. Meine Gedanken kreisen um die Frage: Warum schon wieder? Ich schreibe meine Gefühle zu dieser zweiten Fehlgeburt auf. Einen Tag später sitze ich beim Frauenarzt, die Blutungen haben etwas nachgelassen und ich klammere mich an den Gedanken, dass erst mit einem Ultraschall etwas bestätigt werden kann. Doch ich weiß es. Und sehe es auf dem Bildschirm. Nichts.

Die Schleimhaut ist fast komplett abgebaut, die Gebärmutter selbst leer. Der Frauenarzt findet etwas am rechten Eierstock, sagt dazu weiter nichts. Erst einmal soll der HCG- Wert bestimmt werden. Ich erzähle ihm von meiner Vermutung einer abgehenden Eileiterschwangerschaft. Würde dieses „Etwas“ am rechten Eierstock nicht dafür sprechen? Er verneint, da ich keine freie Flüssigkeit im Bauchraum hätte. Ich soll in drei Tage wiederkommen. -> Ergebnis:  HCG- Wert 650 (viel zu wenig für die 7. Woche)

Es ist Donnerstag, drei Tage nach meinem ersten Frauenarztbesuch, wieder Blutabnahme, wieder Ultraschall. Ich habe bereits nur noch Schmierblutungen und hoffe, dass ich nach dieser Untersuchung endlich emotional abschließen kann. Das „Etwas“ am rechten Eierstock ist aber immer noch da und wird auf 15mm gemessen. Die Gebärmutter bleibt weiterhin leer und die Schleimhaut ist komplett abgebaut. Mein Frauenarzt nimmt meine Vermutung einer abgehenden Eileiterschwangerschaft auf, will sich aber nicht hundert-prozentig festlegen. Ich werde von ihm bereits freundlich „entlassen“, sollte mein HCG- Wert gut gesunken sein. -> Ergebnis: HCG- Wert 430      Der Wert ist immer noch zu hoch, ich soll in einer Woche wieder kommen.

Zwei Wochen zuvor: Eileiterschwangerschaft- ja, nein, vielleicht

Ich werde von meinem Frauenarzt mit den Worten begrüßt: „Und Sie erzählen mir jetzt die Blutungen haben aufgehört und Sie fühlen sich gut.“ Ich verneine, ich habe keine Schmerzen, aber weiterhin Schmierblutungen, die mir selbst zu lange vorkommen. Er schaut mich besorgt an und bittet mich zum Ultraschall.

Währenddessen sagt er nicht viel, es vergehen gefühlte Minuten, ich werde nervös. „Das gefällt mir nicht“ Es entsteht eine Pause, ich gehe gedanklich alles durch, was nun kommen kann. Ich weiß, wie Eileiterschwangerschaften in diesem Stadium meist enden und sehe mich schon nachmittags auf dem OP- Tisch liegen. Ich bekomme Panik. Er schallt weiter misst mehrfach nach und klärt mich auf, dass dieses „Etwas“ auf 17-20mm gewachsen sei.

Ich bekomme eine Einweisung ins Krankenhaus und soll gleich im Anschluss dorthin. Was die Ärzte machen, weiß er nicht. Sein Befund ist unklar, mit seinem Ultraschallgerät kann er keine feste Diagnose stellen. So geht er davon aus, dass es sich um den Rest einer abgehenden Eileiterschwangerschaft handelt. Ob ich heute, später oder überhaupt nicht operiert werde, kann er mir nicht sagen. Ich höre nur mit halben Ohr zu und fühle mich in diesem Moment einfach nur leer. Aber ich gehe nicht sofort ins Krankenhaus, sondern fahre nach Hause. Erst dort kommen mir die Tränen. Ich weiß nicht, was mir die meiste Angst macht. Eine Operation? Die erste längere Trennung von meinem Kind? Diese plötzliche Einweisung?

Im Krankenhaus verbringe ich an diesem Tag vier Stunden, die meiste Zeit mit Warten. Mein HCG- Wert ist auf 8 und somit vorbildlich gesunken. Insgesamt starren drei Ärzte auf den Bildschirm während des Ultraschalls. Es wird gemessen, verschiedene Einstellungen ausprobiert und sie kommen zu dem Ergebnis, dass das „Etwas“ am Eierstock nicht zu identifizieren sei, aber wohl ein Zufallsbefund ist und nichts mit der abgehenden Schwangerschaft zu tun hat. Rein gucken müssen sie trotzdem und so bekomme ich einen Termin zur Bauchspiegelung eine Woche später. Ich fühle mich besser, erleichtert, dass ich diesen Aufschub bekommen habe.

Eine Woche zuvor: Tag der Laparoskopie

Ich bin aufgeregt und unterzuckert. Um 2 Uhr nachmittags beginnt die OP, eine Stunde dauert sie und ich komme anschließend für zwei Stunden in den Aufwachraum. Mein Kreislauf macht mir danach sehr zu schaffen und die Schmerzen bei Positionswechsel sind unangenehm. Meine Schmierblutungen sind hingegen sofort vorbei. Zwei Nächte bleibe ich im Krankenhaus, das erste Mal getrennt von meinem Sohn. Das erste Mal, dass der kleine Mann ohne Brust einschlafen muss und es klappt auch mit weniger Geschrei als gedacht. Ich pumpe fleißig ab, sobald meine Brüste spannen und bin froh, dass an Tag zwei nach der Bauchspiegelung meine Wunddrainage gezogen wird und ich nach Hause kann. Es stellte sich heraus, dass es sich wahrscheinlich doch um den nicht abgegangen 20mm großen Rest einer Eileiterschwangerschaft handelte, den sie entfernten. Die endgültige Bestätigung soll der Laborbefund bringen, der noch aussteht.

Und jetzt?


Ich bin froh, dass ich die Geschichte meiner dritten Schwangerschaft abschließen kann, vor allem emotional. Was bleibt, ist die immer wiederkehrende Frage nach dem Warum in meinem Kopf. Ich hatte kein erhöhtes Risiko einer Fehleinnistung, die Ärzte sprachen bei mir von einer Wahrscheinlichkeit von unter 1%. Und trotzdem ist es passiert.
Den Eingriff im Allgemeinen habe ich unterschätzt, die Heilung braucht doch länger als gedacht. Das ich meinen Sohn für eine gewisse Zeit nicht heben darf und ich mich schonen muss, erschwert den Alltag zudem sehr.

Ich habe mich dazu entschieden, den weiteren Kinderwunsch noch ein paar Monate aufzuschieben. Zum einen kann ich es mir nicht vorstellen, bald wieder schwanger zu sein, da die letzten vier Wochen noch zu sehr präsent sind. Zum anderen habe ich Angst vor einer weiteren Eileiterschwangerschaft, das Risiko ist nach diesem Eingriff erhöht.

Doch irgendwann wird auch diese Geschichte, gereiht in viele schöne Erlebnisse, ein angenommener Teil meines Lebens werden.

Liebste Grüße,

eure Friederike

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